Stimmungsvoll beleuchtetes Rathaus, davor eine Bühne mit Musikern und Sängern Pfaffenhofen

Joseph-Maria-Lutz-Stipendiatin 2022: Anahit Bagradjans


Die Lutz Stipendiatin am Fenster vom Flaschlturm.

Anahit Bagradjans ist die neue Joseph-Maria-Lutz-Stipendiatin der Stadt Pfaffenhofen. Mitte September hat sie ihre neue „Schreibstube“, den Flaschlturm an der Stadtmauer, bezogen. Bagradjans wird die Herbstmonate im historischen Stadtturm verbringen und dort nach dem Vorbild von Joseph Maria Lutz einen „Zwischenfall“, einen Text über Pfaffenhofen verfassen. Zum Abschluss ihres Stipendienaufenthalts wird sie dann ihren Text – voraussichtlich am 3. Dezember – dem Pfaffenhofener Publikum vorstellen.


Die Lutz Stipendiatin mit ihrem Partner im Flaschlturm.

Bei ihrem Einzug in den Flaschlturm hießen Kulturreferent Reinhard Haiplik, Jury-Vorsitzender Steffen Kopetzky und Bürgermeister Thomas Herker, die Autorin herzlich willkommen.

Die in Berlin lebende Autorin ist mit ihrem Partner, Leon Wienhold, nach Pfaffenhofen gekommen und empfindet die Stadt als „gemütlich“ und die Menschen als sehr freundlich und aufgeschlossen. „Die Innenstadt erinnert mich an Goslar mit den ganzen Fachwerkhäusern“, erzählt die Stipendiatin.

Bereits am 3. November können sich alle Interessierten von der Schreibkunst Bagradjans überzeugen: Gemeinsam mit ihrem Partner, dem Filmemacher Leon Wienhold, gestaltet sie einen Abend der Pfaffenhofener Lesebühne in Form einer szenischen Lesung.


Foto von Anahit Bagradjans bei einer Lesung mit Mikrofon
© Luca Manuel Kieser

Anahit Bagradjans, die 1995 in Krasnodar in der Russischen Föderation geboren wurde, hat in Berlin, Florenz und in Wien studiert, unter anderem Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst und Critical Studies an der Akademie der bildenden Künste. 2021 ist sie mit dem Hauptpreis der EXIL-Literaturpreise der Stadt Wien ausgezeichnet worden.

Ihr Text „Von oben gesehen sind alle Toten haarlos“ der aus Goslar stammenden Autorin überzeugte die Mitglieder der Pfaffenhofener Fachjury. Anahit Bagradjans verknüpft darin verschiedene historische Ereignisse: Im Zentrum ihrer kurzen Erzählung steht die Erschießung von Mehmed Talât Pascha, einem Großwesir des Osmanischen Reiches, 1921 in Berlin. Talât war einer der Hauptverantwortlichen für den Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs.

Die junge Autorin nutzt in ihrem Roman eine bewusst sehr einfache Sprache, so die Jury weiter, die ihre ganz eigene Dynamik entwickelt. Es entstehe ein erzählerischer Sog. Beeindruckend sei der sehr bewusste und sichere Umgang mit aufs Wesentliche reduzierter Sprache und literarischem Stil, der sich durch starke Bilder auszeichne. Bagradjans Vermögen, in einem kurzen Text sehr komplexe Ereignisse zu schildern, prädestiniere sie besonders für die Aufgabe, einen „Zwischenfall“ für Pfaffenhofen zu verfassen, so die Jury.

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